Ungebetene Gäste
Meine Mutter ist mir eine große Hilfe. Vor allem, wenn Besuch kommt.
Ich
habe mich gerade in ein interessantes Buch versenkt, da schellt es.
Störung droht. Ich spring ans Telefon. Dreh die Nummer meiner Mutter,
sag: „Ich krieg Besuch,“ - es schellt wieder - „du weißt Bescheid.“ Ich
haste zur Tür.
Zwanzig Minuten lästige Gäste, grobe Vertraulichkeit,
platte Gespräche.Was hab ich verbrochen, dass diese Nervensägen in
sporadischen Abständen mit ihrem endlosen Geschwätz über mich
herfallen? Da geht das Telefon. Meine Mutter.
Ich entschuldige mich bei den Gästen: Habe über interessanter Unterhaltung vergessen, dass ich Mutter zum Arzt fahren muss. Ich mache ihre Krankheit ganz schlimm, zu Osteoporose und Inkontinenz jetzt noch diese Herzgeschichten. Schrecken, Mitleid, Höflichkeit bei den Gästen. Sie bedrängen mich vehement: „Beeilen Sie sich, wir sind weg.“
Ich kann
endlich in Ruhe weiterlesen, mich meinen Tagträumen hingeben. Da fällt
mir der Termin mit Gabi ein, der Nervensäge, mit der ich schon lange
Schluß machen wollte. Ich schau vorsichtshalber im Kalender nach.
Tatsächlich! In einer Stunde.
„In etwa anderthalb Stunden noch
einmal, bitte“, sag ich zu meiner Mutter am Telefon. Sie weiß gleich
Bescheid. Und während ich so dasitze und über mein verpfuschtes Leben
nachdenke, schleicht sich plötzlich der ketzerische Gedanke in mein
Hirn: Wer könnte mich eigentlich anrufen, wenn Mutter am Sonntag zu
Besuch kommt und auch nach dem vierten Halmaspiel noch Revanche
verlangt oder mir mit dem nächsten Spiel eine neue Chance geben will?
Vielleicht doch Gaby?
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